Die abenteuerliche Generation

18. August 2008

Als ich mich mit 16 von zuhause absetzte ging es für mich um den Kampf: Kampf der Ungerechtigkeit, jenem Recht des Stärkeren, das sich das Tun und Handeln anderer aneignete und dies als verdienstwürdige Leistung betrachtete.
Häuser besetzten wir; den Kampftruppen der Kuschenden, des immer schon kuschenden (Klein-)Bürgertums, der Polizei, die mit Knüppel, Schild und Wasserwerfer dem Recht der faulenzenden, gierigen Klasse, die ihr Geld für sich arbeiten lässt (und als entlohnenswürdiges Risiko benennt, dass ihr dieses Geld abhanden kommen könnte – das ist die Rechtfertigung dieser Form arbeitslosen Einkommens; aber wie jeder weiß, diese Klasse wusste schon immer die Verluste zu sozialisieren und die Gewinne zu privatisieren)… den Unordnungskräften lieferten wir Straßenschlachten und genossen am selben Abend oder nächsten Tag den Aufschrei der Medien und das nachdenklich Kopfschütteln der intellektuellen Berufsbedenkenträger. Ihre Empörung war garstig, einfallslos und besitzstandwahrend und die unsrige lustvoll, laut, pöbelnd und vor allem freudvoll abenteuerlustig.

Ein Kampf, der heroisch und solidarisch einige Kulturveränderungen herbeiführte; Änderungen, die jene, die schon immer wussten, wie man aus Wandel Honig saugt und sich den Lebenssaft anderer risikolos aneignet, kommerzialisierten und durch Ausverkaufstechniken zu einer entschärften und besänftigenden Konsumware machten.
Wer heute durch die Straßen geht, kann T-Shirts sehen, die im modischen Grell verkünden, die Revolution lebe, der Punk sei nicht tot und Che Guevara irgendwie ziemlich cool; und Mao steht hübsch neben Lenin im Kitschladen…

Manche von uns gingen erst entnervt und dann enttäuscht von der Zynik herrschender Umstände und der vom Heroin und der Pop-Industrie vorangetriebenen, entsolidarisierenden Star-Kultur, von Tutti Frutti und Bierernst auf allen Kanälen, in die innere Fluchtbewegung – nein, keine Flucht, die Wiederentdeckung des Paradieses an der Stelle, wo es schon immer auf uns gewartet hatte… dachten wir. Dort, in uns, in unserem Herzen, unserem Geist, so hieß es – und unsere durstigen Seelen saugten es begierig auf – liege das Heil, die Befreiung, all das, was wir im Außen nie würden finden oder herstellen können.
Selbsterfahrung und darüber hinaus: Erleuchtung im Schoß der spirituellen Bewegung, deren Avantgarde wir wurden. Und, bei Gott!, wir hatten ein geschüttelt Maß an mystischen Erfahrungen: erst mit und dann auch ganz ohne Drogen. Wir meditierten, tanzten, tantrisierten, energie-arbeiteten uns in eine Region vor, von denen die Mystiker aller Zeiten, die kontemplativen Heroen und einige ganz wenige Heroinen kündeten.

Wieder ein Neues Zeitalter und wir bereiteten uns und die Welt darauf vor. Im Zuge dessen wurden unsere Beziehungen zu Schlachtfeldern der intimen Experimente, der unbedingten und bedingungslosen Ehrlichkeit und Selbstfindung; ein seelen-blutiges Feld der Verstümmelungen und Befreiungen – aber kein Opfer war zu groß auf dem Weg heim ins himmlische Reich, ins Nirwana, in die Erleuchtung, deren Licht uns heimleuchtete. Es galt das großfürchterliche Ego und all seine Narzissmen durch spirituellen Hedonismus und andere Ismen und Anti-Ismen zu vernichten oder zu überwinden, jedenfalls so klein wie möglich zu halten, aufdass das Zeitalter der Erleuchtung möglichst bald über uns alle hereinbrechen möge.

Und nun?

Nun sind wir über 50 und 60 und sind nichts Gescheites geworden – wollten wir ja auch nicht, denn es ging ja ums Heil des großen Ganzen; und weil jederzeit die Revolution oder das Reich Gottes ausbrechen konnte und wir uns dafür zum Tempel machten, hatten wir weder Zeit noch Energie, “etwas zu erreichen.” Nun, da allzu viele von uns in Harz 4 geparkt auf die Rente warten, die kaum was hergeben wird, womit man was anfangen könnte außer vor sich hinzukrepeln, nun, da jene Umwälzungen, die uns alle für immer glücklich machen würden, ausgeblieben sind und durch die Klimakatastrophe als herrschende Gesamtreligion ersetzt wurden – eine Überzeugung, die lustvoll am Alltag der Allzuvielen vorbeigeht und von der Unausweichlichkeit unseres Untergangs schwadronniert – nun: Was ist mit uns?

Werfen wir uns in ein neues emanzipatives Abenteuer, nicht ganz so blond und blauäugig vielleicht, oder winken wir ab, rauchen noch einen Joint oder Pfeifchen und schauen uns die neuste Inkarnation von Blade Runner, Herr der Ringe, Startrek oder Matrix an?
Oder backen wir fürderhin klitzekleine Brötchen und entsinnen uns der wundervoll scheinenden Gloriolen unserer Vergangenheit und wie wir zu jener Generationen gehören, die vor nichts halt gemacht hat?

Vielleicht auch erkennen wir im Dickicht unserer mannigfaltigen Erfahrungen das Morgengrauen oder die Morgenröte – je nach innerer Großwetterlage – einer Zeit, die wir nicht für möglich gehalten hätten: eines fahrigen, multiphrenen, chaordischen Zeitalters, das den Wandel, den rasanter, schneller und komplexer werdenden, zu surfen sucht. Und vom Brett fällt, ohne damit aufzuhören, wieder drauf zu steigen.

Vielleicht sind wir einfach neugierig und zugleich genügend abgebrüht, um die paradoxalen, vieldeutigen und ungezügelten, heutigen Umstände mit ein wenig Weisheit, dem Mut des Kleinen und ungeachtet unserer Fehlbarkeit und Hilflosigkeit offen entgegen zu treten; das raubt uns zwar bisweilen den Atem, hindet uns aber nicht daran, dabei zu bleiben als klitzekleiner Koautor des Schicksals dessen, was sich Leben, Gesellschaft und schlicht Welt nennt.

Prost, Spitzhörnchen!

01. August 2008

© ZEIT ONLINE 29.7.2008 - 10:17 Uhr

Erstmals haben Wissenschaftler einen chronischen Trinker im Tierreich entdeckt: Die kleine Säugerart nährt sich von Palmenbier

Hat einiges intus, und fällt dennoch nicht von der Palme: Das Federschwanz-Spitzhörnchen (Ptilocercus lowii)

Hat einiges intus, und fällt dennoch nicht von der Palme: Das Federschwanz-Spitzhörnchen (Ptilocercus lowii)

Im Urwald West-Malaysias haust ein Geschöpf, das nur fern verwandt ist mit dem Menschen. In einer Hinsicht ist das Federschwanz- Spitzhörnchen uns Zweibeinern aber doch recht nah: Es hat ein Schwäche für Alkoholisches, und zwar eine chronische. Allnächtlich klettert die kleine Kreatur auf die struppigen Fruchtstände der Bertam-Palme und schlürft deren Nektar heraus. Der hat es in sich. Fast vier Prozent Alkohol stecken in dem Pflanzensaft, und das Spitzhörnchen nährt sich fast nur davon. Wie deutsche Forscher jetzt in den Proceedings of the National Academy of Sciences berichten, kann der Säuger das sogar ganz gut vertragen: Betrunken werden die Tiere offenbar nicht. Der Tierphysiologe und Erstautor der Studie, Frank Wiens von der Universität Bayreuth, erklärt, was seine Entdeckung im südostasiatischen Dschungel so einmalig macht.

ZEIT ONLINE: Warum sind die Trinkgewohnheiten des Spitzhörnchens bislang nicht aufgefallen?

Frank Wiens: Das Federschwanz-Spitzörnchen ist im Freiland bisher noch nie richtig untersucht wurde. Die Art ist zwar nicht völlig neu. Aber bisher war das Spitzhörnchen eher von stammesgeschichtlichem Interesse, weil es den ausgestorbenen Vorfahren der heutigen Primaten vermutlich sehr ähnlich ist und auch heute noch ähnlich lebt. Ursprünglich hat man die Art sogar direkt zu den Primaten gezählt.

ZEIT ONLINE: Was hat das Spitzhörnchen denn nun mit dem menschlichen Alkoholgenuss zu tun?

Wiens: Was den menschlichen Alkoholkonsum angeht, so sagen heute viele, dass der wohl zufällig entstand, weil Alkohol erst mit der Erfindung des Brauens verfügbar worden sei. Unsere Studie zeigt, dass das so nicht sein muss, sondern das Alkohol auch in natürlichen Lebensräumen zur Verfügung steht, und dann auch noch bei einer solch interessanten Art.

ZEIT ONLINE: Was bringt Ihre Entdeckung aus wissenschaftlicher Sicht?

Wiens: Das könnte ein Modell sein für ein Stadium, das während der Evolution – in der Linie, die zum Menschen führt – durchlaufen worden ist. Es ist aber auch ein Modell für Ursache und Wirkung von Alkohol in einer komplexen Umgebung, das sich zu studieren lohnt.

ZEIT ONLINE: Wäre es nicht möglich, dass es sich einfach um eine Laune der Natur handelt?

Wiens: Es kann sein, dass es ein Spezialfall der Evolution ist, das wissen wir noch nicht genau. Es ist aber sicher so, dass manche Menschen mehr, manche weniger Alkohol vertragen. Im Labor hat man bisher versucht, das an Ratten oder Mäusen zu untersuchen, an Tieren also, die außerhalb des Labors gar keinen Alkohol trinken würden.

….weiter

Klimawandel und seine Folgen – US-Geheimdienste warnen vor Polit-Chaos

25. Juni 2008

Wissenschaftler warnen schon lange vor den Folgen des Klimawandels – ein aktueller Bericht der US-Geheimdienste bestätigt das düstere Szenario.

dpa
vergrößern Immer mehr Trockenperioden werden erwartet: Ein indischer Bauer begutachtet sein vertrocknetes Reisfeld während einer Dürreperiode
Foto:

Der weltweite Klimawandel führt wahrscheinlich zu verstärkter illegaler Einwanderung und zur Destabilisierung von Regierungen in politisch brisanten Gebieten. Das ist das Ergebnis eines Berichts der US-Geheimdienste, der am Mittwoch in Washington vorgestellt wird.

Am größten sei die Gefahr für Länder südlich der Sahara, im Nahen und Mittleren Osten und in Südostasien, heißt es. Hier drohten extreme Wetterlagen, Dürren, Überschwemmungen und Hunger. Die Probleme in diesen Ländern hätten auch Auswirkungen auf die Sicherheit der Vereinigten Staaten.

In Afrika, einer der gefährdeten Regionen, seien mehr Dürreperioden zu erwarten, was zu einer Halbierung der Ernten in den kommenden zwölf Jahren führen könne. Auch Teile von Südostasien seien anfällig für Dürren, aber auch für Überschwemmungen: Hier seinen Ernteeinbußen von etwas 10 Prozent zu erwarten.

Verantwortungslose Klimapolitik

Unterdessen ruft der Küstenforscher Hans von Storch zur Vorbereitung auf Fluten und Dürren auf. Von Storch kritisiert eine weltweit mangelhafte Vorbereitung auf die Folgen des Klimawandels. Die derzeit breit diskutierte Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes reiche nicht, um sich gegen den Klimawandel zu wappnen, schreiben von Storch und der Soziologe Nico Stehr nach Informationen der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit in einem Manifest zum Klimaschutz.

“Eine Klimapolitik, die sich der CO2-Vermeidung unter Missachtung jedes Anpassungsdrucks verschreibt, ist eine verantwortungslose Klimapolitik”, kritisierten die Wissenschaftler.  (mehr…)

Die Einladung

27. Januar 2008

von Oriah Mountain Dreamer

Es interessiert mich nicht, womit du dein Geld verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst
und ob du die Erfüllung deines Herzenswunsches zu träumen wagst.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, dich zum Narren zu machen
auf deiner Suche nach Liebe, nach deinem Traum,
nach dem Abenteuer des Lebens.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten ein Quadrat zu deinem Mond bilden.
Ich will wissen ob du deinem Leid auf den Grund gegangen bist
und ob dich die Ungerechtigkeiten des Lebens geöffnet haben,
oder du dich klein machst und verschließt, um dich vor neuen Verletzungen zu schützen.
Ich will wissen, ob du Schmerz – meinen oder deinen eigenen – ertragen kannst,
ohne ihn zu verstecken, zu bemänteln oder zu lindern.

Ich will wissen, ob du Freude – meine oder deine eigene – aushalten,
dich hemmungslos dem Tanz hingeben u
nd jede Faser deines Körpers von Ekstase erbeben lassen kannst,
ohne an Vorsicht und Vernunft zu appellieren
oder an die Begrenztheit des Menschseins zu denken.

Es interessiert mich nicht, ob das, was du mir erzählst, wahr ist.
Ich will wissen, ob du andere enttäuschen kannst, um dir selbst treu zu bleiben;
ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst, um deine eigene Seele nicht zu verraten;
ob du treulos sein kannst, um vertrauenswürdig zu bleiben.

Ich will wissen, ob du die Schönheit des Alltäglichen erkennen kannst,
selbst wenn sie nicht immer angenehm ist
und ob ihre Allgegenwärtigkeit die Quelle ist, aus der du die Kraft zum Leben schöpfst.

Ich will wissen, ob du mit Unzulänglichkeit leben kannst – meiner oder deiner eigenen -
und immer noch am Seeufer stehst
und der silbrigen Scheibe des Vollmonds ein uneingeschränktes “JA!” zurufst.

Es interessiert mich nicht, wo du wohnst oder wie reich du bist.
Ich will wissen, ob du nach einer kummervoll durchwachten Nacht zermürbt und müde
bis auf die Knochen aufstehen kannst, um das Notwendige zu tun,
damit deine Kinder versorgt sind.

Es interessiert mich nicht, wen du kennst oder wie du hierher gekommen bist.
Ich will wissen, ob du inmitten des Feuers bei mir ausharren wirst, ohne zurückzuweichen.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du studiert hast.
Ich will wissen, was dich von innen heraus trägt, wenn alles andere wegbricht.

Ich will wissen , ob du mit dir selbst allein sein kannst
und ob du den, der dir in solch einsamen Momenten deines Lebens Gesellschaft leistet, wirklich magst.

Das Geheimnis von Glück & Erfolg

22. Januar 2008

Ein kleines Wunder

19. Dezember 2007

“…Und vielleicht geschieht ja in der Zwischenzeit auch etwas, was es in der Politik eigentlich nicht gibt, nämlich ein kleines Wunder. Denn, so muss man auf Grund der bisherigen Erfahrungen befürchten, der Klimaschutz wird wohl ohne den direkten Eingriff höherer Mächte kaum wirklich vorankommen.” Schreibt Joschka Fischer in seiner Kolumne in der Zeit vom 17.12. “Der faule Kompromiss” zu dem Klimagipfel in Bali; er sieht mit den ansteigenden CO2 Emissionen Zeiten auf uns zukommen  “in denen es zu einem gewaltigen Anstieg der politischen Verbalemissionen kommen wird,” aber eben zu keinen wirklichen Taten.

Es bleibt also uns überlassen…

Warum ich so wenig schreibe

16. Oktober 2007

in den letzten Monaten habe ich mich kaum um mein Blog hier gekümmert…

Im Moment bin ich sehr mit einer Firma beschäftigt, deren Mitgründer ich bin – Gaiaspace – und wir werden in nicht allzu langer Zeit an den Markt gehen. Dann habe ich wahrscheinlich auch wieder ein Wenig mehr Zeit, hier zu schreiben.

In meinem englischen Blog gelingt es mir häufiger, denen einen oder anderen Beitrag zu platzieren, wer also englisch kann…

Bis in ein, zwei Monaten also.

Der Dalai Lama

24. Juli 2007

Als erstes ein wundervoller Artikel mit einem etwas abschreckenden Titel in der online Ausgabe der Zeit + ein paar Videos… ich glaube wirklich der Mühe wert:

„Dalai Lama – nur blabla“

Von Ulrich Schnabel

Wie der Dalai Lama das Hamburger Publikum mit kindlichen Weisheiten bezaubert.



Das ist schon ein seltsamer Heiliger. Wird es ihm während der Übersetzung seiner weisen Aussprüche langweilig, albert er auf dem feierlich geschmückten Podium herum wie ein Kind, kratzt sich am nackten Oberarm, der aus der roten Mönchsrobe lugt, betrachtet aufmerksam seine Zehen, die in Badelatschen stecken, oder grinst im Publikum Bekannten (oder auch Unbekannten, wer kann das schon sagen) freundlich zu. Nein, das politische und religiöse Oberhaupt eines Volkes stellt man sich normalerweise anders vor, irgendwie würdiger. Doch der „ozeangleiche Lehrer“, Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama von Tibet, Tenzin Gyatso, zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er so gar nichts Besonderes aus sich macht.

Sicher, wenn er das Tennisstadion am Rothenbaum betritt, wo er derzeit für eine Woche lang Belehrungen gibt, nimmt er es für selbstverständlich, dass das Auditorium ihn stehend empfängt. Doch spätestens wenn er mit seiner tiefen, gutturalen Stimme zu sprechen beginnt, verfliegt jegliche Atmosphäre steifer Ehrfurcht, die bei solchen Veranstaltungen häufig herrscht. Im Schneidersitz thront er auf einem bequemen Polstersessel, den man ihm aufs Podium gestellt hat, und gibt sich sichtlich entspannt. Und es sind ja auch keine schwierigen und komplizierten Argumente, die er seinen Zuhörern nahebringt, sondern ganz simple, geradezu kindlich einfache Dinge. Vom inneren Frieden spricht er, von seinem Wunsch, zu einer glücklicheren Zukunft der Menschheit beizutragen, oder davon, dass Toleranz ein Zeichen von Stärke sei, Gewalt aber ein Zeichen von Schwäche. Weisheitssprüche eben, wie man sie heute auf jedem Schlüsselanhänger und Teebeutel lesen kann. Und doch ist das Publikum sichtlich bewegt. Denn die wichtigste Botschaft des Dalai Lama teilt sich nonverbal mit: Hier sitzt ein Mensch, der an all das wirklich glaubt, der tief von der Güte des Herzens überzeugt ist – auch wenn es in seinem Leben eigentlich genug Gründe gab, daran zu zweifeln.

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Und hier noch ein weiterer Artikel, diesmal aus der Berliner Zeitung über seine Vorträge in Hamburg.

Der Dalai Lama spricht - und alle versuchen zu verstehen. ddp Der Dalai Lama spricht – und alle versuchen zu verstehen.

Das große Missverständnis

Der Dalai Lama hält Vorträge in einem Stadion in Hamburg. Dabei wird vielen klar, dass der Buddhismus keine Gute-Laune-Religion ist

Wiebke Hollersen

HAMBURG. Sein Gesicht ganz nah, sein Gesicht etwas weiter weg, sein Gesicht von links, von rechts. Auf dem kleinen, weißen Klapptisch stehen vier Kisten mit Postkarten. Alle zeigen ein Stück rot-gelbes Wickelgewand, den großen, kahlrasierten Kopf, die schmalen Augen, das große Lächeln. Vier verschiedene Ansichten, aber immer das gleiche Motiv. Ein Dalai Lama kostet einen Euro.

Der Stand ist der erste hinter dem Eingang. Wer seine Eintrittskarte gescannt und das Drehkreuz passiert hat, läuft auf ihn zu. Viele bleiben stehen und kaufen ein Bild. Es ist Montag, kurz nach acht. Im Tenniscenter Rothenbaum in Hamburg beginnt in gut einer Stunde die Arbeit. Der Dalai Lama wird wieder auftreten, wie schon am Wochenende. Da hat er auf der Bühne mit verschiedenen Gesprächspartnern über das Thema “Frieden lernen” und allein über “Mitgefühl in der globalisierten Welt” gesprochen. Große Themen, die Platz für alles mögliche lassen. Sie würden zu einem Kirchentag passen, zu einer Entwicklungshilfe-Konferenz oder einer Tagung des DGB.

Nun, am Montag, beginnt eine viertägige Unterweisung zur buddhistischen Philosophie und Praxis. Der Dalai Lama wird einen fast zweitausend Jahre alten Text besprechen, er heißt “Die 400 Verse über die Übungen auf dem Weg zur Erleuchtung”. Vierhundert Verse in vier Tagen. Die Unterweisungen dauern jeweils morgens von halb zehn bis halb zwölf und nachmittags von zwei bis vier.

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Affen und Kleinkinder helfen ohne Belohnung

04. Juli 2007

Schimpansen handeln selbstloser als bisher angenommen. Ein Forscherteam des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie (MPI) hat erstmals den experimentellen Beweis erbracht, dass diese Menschenaffen ihren Artgenossen helfen, selbst wenn ihnen daraus kein Vorteil entsteht. Damit sei die verbreitete These widerlegt, dass altruistisches Verhalten nur dem Menschen zueigen sei, teilte das Institut am Donnerstag mit.

Bisher galt bei Schimpansen vor allem der eigene Vorteil als Motiv für Hilfsbereitschaft. Ähnlich wie beim Menschen soll der Affe eine Art Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen. Dies konnten die Leipziger Forscher nun widerlegen: «Wir wollten herausfinden, ob Schimpansen und Kleinkinder helfen, um dafür eine sofortige Belohnung zu erhalten, oder ob sie helfen, weil die andere Person ein Problem hat», sagte Projektleiter Felix Warneken. Die Forscher konzipierten drei Aufgaben für 36 Schimpansen aus dem Ngamba Schutzgebiet in Uganda und führten diese gleichzeitig mit einer Gruppe von 36 Kleinkindern durch.

Hilflosigkeit

In der ersten Aufgabe sah der Schimpanse zu, wie eine unbekannte Person sich vergeblich bemüht, nach einem Stock zu greifen. Der Stock war außerhalb der Reichweite des Menschen, befand sich aber in Reichweite des Schimpansen. Nach seinen verzweifelten Versuchen nahm der Mensch Blickkontakt mit den Affen auf. 12 von 18 Schimpansen hoben den Stock daraufhin auf und reichten ihn weiter, obwohl sie keine Belohnung dafür erhielten. Auch 16 von 18 Kindern halfen selbstlos der Person, indem sie ihr den Gegenstand gaben.

Wichtig war aber offenbar der Faktor Hilflosigkeit, betonte Warneken, denn wenn der Gegenstand außer Reichweite war, die betroffene Person aber gar nicht versuchte, ihn aufzuheben, so boten Schimpansen und Kinder auch keine Hilfe an. Offensichtlich helfen sowohl Affen als auch Kleinkinder nur in Problemsituationen. Für beide gilt: Sie sind in der Lage zu erkennen, wann jemand Hilfe benötigt, und helfen dann ohne unmittelbaren Eigennutz – in der vorliegenden Studie bis zu zehnmal hintereinander.

Sich mühen ohne Belohnung

In der zweiten Versuchsanordnung wollten die Forscher herausfinden, wie viel Mühe Schimpansen und Kleinkinder auf sich nehmen, um zu helfen. Die Schimpansen mussten dazu eine zweieinhalb Meter hohe Rampe hinaufklettern, um den Stock reichen zu können, die Kinder einen Hindernisparcours durchlaufen. Trotz der großen Anstrengungen halfen mehr als die Hälfte der Schimpansen und Kinder gleichermaßen, ohne dafür belohnt zu werden.

Um auszuschließen, dass die Affen und Kinder möglicherweise bereits in der Vergangenheit für ähnliches Verhalten von einem Menschen belohnt wurden, wurde in einem weiteren Versuch der Faktor Mensch rausgelassen: Futter wurde hinter einer Tür platziert, die versperrt war. Ein Affe stand vor der Tür, konnte sie aber nicht öffnen. Der potenzielle Helfer war in einem anderen Käfig ohne Zugang zum Futter, konnte aber dem Artgenossen die Tür zum Futter öffnen.

Kein Betteln und Drohen

Knapp 80 Prozent der potenziellen Helfer öffneten ihren Artgenossen die Tür und verschafften ihnen damit Zugang zum Futter, obwohl sie selbst leer ausgingen. «Wir konnten nicht einmal beobachten, dass die Helfer den Begünstigten um Futter anbettelten oder ihn einschüchterten», sagte Warneken. «Dieses selbstlose Verhalten ist auch deshalb erstaunlich, weil sich die Schimpansen niemals zuvor in dieser Situation befunden haben. Und das zeigt, dass sie auch neuartige Problemsituationen flexibel erkennen und entsprechend neue Formen der Hilfe entwickeln können.»

Das Forscherteam sieht damit den Beweis erbracht, dass unsere nahen Verwandten auch altruistisch handeln und bereits Kleinkinder dies tun. «Hilfsbereitschaft hat ihren Ursprung also nicht allein in Kultur und Erziehung. Wir sollten uns von der Idee verabschieden, dass wir als Egoisten auf die Welt kommen und allein durch Kultur und Erziehung zu hilfsbereiten Wesen heranwachsen», sagte Forschungsleiter Warneken. (Quelle)

Vision

26. Juni 2007

Wer einigermaßen englisch versteht, sollte sich dies Video reinziehen :-)
Es zeigt, wie wir im Jahr 2055 das heutige Umweltproblem gelöst haben werden (natürlich, wie meistens, durch die Brille der Amerikaner).
Mich hat es sehr inspiriert, und ich hoffe, es geht dir ebenso.

Climate: A Crisis Averted

Eine erstaunliche Frage?

04. Juni 2007

Schon bald findet in Baden-Baden wieder ein Rainbow Festival statt, bei dem sich die Superstars an den spirituellen Himmeln die Klinke wieder in die Hand geben werden. Wie jedes Jahr kann man dort die angesagtesten Therapeuten, Meister, erleuchteten Lehrer treffen, die es derzeit gibt; alles was Rang und Namen hat, wird dort sein.

Und was bringen Sie uns bei? Wozu wollen Sie uns und diesem Planeten verhelfen? Heilung, Erleuchtung, ein glückliches Leben, göttliche Partnerschaften mit allen Lebewesen, eine Welt, in der Liebe, Vertrauen, und all das Gute vorhanden sind, dass auf diesem Planeten, am Rande der Katastrophe, so notwendig ist. ” Wir müssen zusammenkommen, müssen die Erfahrung der Einheit machen.” Und darüber sind wir uns auch alle einig, oder?
Ja, die meisten von uns arbeiten daran, für sich und die Welt eine nachhaltige Zukunft zu schaffen… (ja, ich weiß natürlich, dass wir nur wirklich in der Gegenwart leben, aber wenn wir uns nicht um die Zukunft kümmern, wird die ökologische Katastrophe uns schon bald jeglicher möglichen Gegenwart berauben.)

Was mich bei alledem wirklich in Staunen versetzt – wo ich darüber nachdenke -, ist, dass ich bisher noch kein einziges Mal gehört oder gelesen habe, dass einer dieser Stars, Meister und Lehrer – ob männlich oder weiblich – oder ein paar von ihnen zusammen die Initiative ergriffen hätten, um alle an einen Tisch zu bringen.
Alle zusammenWenn wir alle eins sind, warum arbeiten wir dann nicht gemeinsam und unterstützen uns tatkräftig?
Die beim Rainbow Festival und an anderen Orten sich immer wieder einfindenden “Leuchten” (und ich meine das wirklich nicht ironisch) sind in der manifestierten Praxis vielleicht nicht so sehr an Einheit interessiert. Oder doch? Ich verstehe es wohl einfach nicht. Ich verstehe nicht, warum sie ihre Kräfte nicht bündeln in einer Gemeinschaft. Werden wir nicht alle aus derselben Quelle gespeist? Sind wir nicht alle mit dem selben Licht verbunden? Sind wir nicht alle Kinder eines Geistes?

Den Worten, den Lehren der meisten gemäß sind wir das.
Vielleicht könnte ihr jetzt meine Frage besser verstehen, und vielleicht habt ihr auch eine Antwort:
Wenn wir alle eins sind, warum arbeiten “die Erleuchteten” nicht zusammen daran, das Leiden des Einzelnen und der Welt zu lindern? Oder gar für eine neue ‘erleuchtete’ Welt?”

Kollektive Erleuchtung? Ein tiefer Blick in Andrew Cohens Lehre.

12. April 2007

(Fotos von Janshi in Seminaren in Prag und Pilsen)

Im Rahmen seiner Evolutionär Enlightenment Teachings schreibt der spirituelle Lehrer Andrew Cohen in einem Artikel “A Collective Emergence” (kollektive Emergenz) über einen Prozess, den er „Erleuchtete Kommunikation“ nennt und als nächsten Schritt in der Evolution des Bewusstseins betrachtet. Dazu heißt es auf Andrew Cohens Webseite: Stell dir vor, du kommst mit 4 bis 40 Leuten in einem Raum zusammen. Was nun geschehen wird, ist keine Diskussion, wie wir normalerweise darüber denken. In dieser Gruppe versuchen wir, etwas völlig Neues zu erreichen. Wenn dieses Neue erreicht ist, geschieht gemäß den Autoren des Artikels folgendes: Die fast universelle Erfahrung aller, die an diesen Gruppen teilnehmen, ist, dass sie mit anderen in tiefer Kommunion verschmelzen und zugleich eine unerwartete Freiheit entdecken, mehr sich selbst zu sein.

Abgesehen davon, dass „mehr sich selbst zu sein“ irgendwie komisch klingt, finde ich, ist auch dieser Prozess nicht so neu, wie hier behauptet, und wurde auch nicht von Andrew Cohen entdeckt: Andere sprechen beispielsweise vom „Kreis-Wesen“, das ein „Behälter für kollektives Bewusstsein“ ist. Die auch von Cohen benutzte Methode wurde ursprünglich als „Community Building“ (Gemeinschaftsbildung) von M. Scott Peck entwickelt. Und natürlich beschreiben auch die vielen Menschen, die diesen Prozess des Kreises verwenden, den von den Schreibern der Cohen-Webseite erwähnte universelle Erfahrung – ich habe meine Erfahrungen als Begleiter eines solchen Prozesses in dem Artikel Hieros Gamos ausführlich dargestellt; eine mindestens ebenso ausführliche Beschreibungen von Helen Titchen-Beth „Women moving The Edge“ und eine von Ria B.. Hands in PresenceIch benutze diese Methode gelegentlich immer noch, verwende jedoch meistens eine andere, nicht verbale Methode, die ich Dynamic Presencing (dynamisches in-die-Gegenwart-bringen) nenne, um die ‚tiefe Kommunion‘ erfahrbar zu machen und zu erforschen.

In seinem Artikel “A Collective Emergence” zieht Andrew Cohen Schlussfolgerungen aus diesem Prozess, den er gelegentlich kollektive Erleuchtung nennt und für den nächsten Schritt der menschlichen Evolution hält. Es handelt sich offensichtlich auch um einen immer wichtiger werdenden Aspekt seiner gesamten Lehre. Er ist – und muss vielleicht – in seinem Artikel recht pauschal sein und reflektiert somit nicht, in welchem Rahmen der Prozess stattfindet: Menschen sitzen in einem Kreis und beziehen sich vor allem verbal auf einander. Es ist wichtig, dies von Anfang an klarzustellen, da die Art und Weise, wie wir diesen Prozess durchführen, die “kollektive Emergenz” wesentlich beeinflusst.

Am Anfang seines Artikels erklärt Andrew Cohen zunächst, was Bewusstsein seines Erachtens ist, nämlich “das intersubjektive Feld, das wir alle miteinander teilen” (the intersubjective field that we all share). Hier klingt bereits an, was in dem Artikel besonders auffällt, nämlich seine Überzeugung, dass was bei diesem Prozess als tiefe Kommunion zwischen uns in Erscheinung tritt, Bewusstsein ist. Ich bin mir nach den vielen Jahren, in denen ich mit diesen Phänomenen vertraut bin, nicht mehr so sicher, was dieses intersubjektive Feld ist; ein Feld, dass eindeutig vorhanden und wenn es kohärenter wird auch deutlich wahrnehmbar ist. Inzwischen neige ich zu der Annahme, es handele sich bei diesem lebendigen Feld ums eine ganz bestimmte Manifestation des Mysteriums im Bewusstsein des Einzelnen; eine Manifestation, sicherlich, die unserem individuellen Bewusstsein ein ungeahnte Tiefe gibt und es einbettet in ein unermesslich umfassenderes. Diese Wahrnehmung/Erfahrung geht einher mit einem Gefühl wahrer Kommunion (weshalb ich meinen oben erwähnten Artikel von diesem Prozess auch Hieros Gamos, Göttliche Hochzeit getitelt habe). Es ist meines Erachtens allerdings noch viel zu früh, und möglicherweise falsch, schon jetzt den Schluss zu ziehen, was zwischen uns ist (Cohens “intersubjektives Feld”), sei Bewusstsein.

Andrew Cohen sagt, nachdem er das intersubjektive Feld zu Bewusstsein erklärt hat: „ Wir sollten damit [gemeint ist der Prozess] anfangen, uns die Frage zu stellen: Was hält meine Aufmerksamkeit gefangen?” Er erklärt nicht, weshalb wir uns, von den vielen interessanten Fragen, mit denen man diesen Prozess einleiten kann, diese Frage stellen sollten. Ich gehe davon aus, dass dahinter die Annahme steht, die Aufmerksamkeit müsse aus Gefangenschaft befreit werden; eine Gefangenschaft die uns normalerweise nicht bewusst ist.
Aber stellt diese Frage nicht ergebnisoffen; vielmehr fügt er sofort hinzu, welche Antwort wir finden, nämlich „die Bewusstseinsqualität die jeder Einzelne und alle Individuen manifestieren“, sofern wir uns “authentisch auf den Prozess einlassen.” Man kann sich jetzt fragen: Weshalb eine Frage stellen und forschen, wenn die Antwort bereits vorgegeben ist? Das könnte natürlich ein Lapsus sein, aber er ist zielführend: Cohen sagt uns, was wir finden werden, sofern wir uns authentisch auf den Prozess einlassen. Ich erkenne hier ein verstecktes Werturteil, denn jede andere Antwort auf seine Frage ist ja in seiner Sicht nicht authentisch. Scott Peck und andere, die diesen Prozess durchführen, bringen diesem mehr Respekt entgegen, wenn sie ihn mit wirklich ergebnisoffenen Fragen einleiten und auch nicht von Vornherein festlegen, was dabei rauskommt, wenn man sich authentisch auf den Prozess einlässt.

 

Circle in Presence

Wenn Cohen nun feststellt, dass sich unsere Beziehungen zu anderen radikal wandeln, sowie wir uns innerhalb des intersubjektiven Bewusstseins auf einander beziehen, trifft er den Kern der Erfahrung, die ich in diesem Rahmen häufig gemacht habe. Aber schon wieder erklärt er uns sofort, was geschieht, und zwar diesmal mit den Konzepten, die wir im Rahmen dieses Prozesses erforschen (nämlich jene, die wir, gesteuert von seinen zielführenden Fragen, geformt haben). Diese Konzepte geraten in den Hintergrund; er sagt: „Sie werden nachrangig.“ Aber was, wenn wir ein anderes Konzept erforschen, als das von ihm empfohlene, beispielsweise: was da denn eigentlich zwischen uns geschieht, wenn wir uns auf diesen Prozess einlassen? Oder was, wenn wir uns darüber austauschen, was „authentische Gemeinschaft“ ist? Vielleicht wird dies als Konzept nachrangig, wenn wir, die wir im Kreis sitzen, diese tatsächlich erfahren, ja – aber auch in dieser Hinsicht halte ich Ergebnisoffenheit für förderlich.

Cohen sagt uns übrigens, wieso sie nachrangig werden: „Die Konzepte sind schlicht das, was du dazu verwendest, das Feld zu manipulieren.“ Aber dieses, sein Konzept – nämlich das der Manipulation des Feldes – ist ein in sich widersprüchliches. Zusammen in einer Runde zu sitzen um uns, in seinen Worten, „direkt auf die Bewusstseinsentwicklung einzulassen“, beziehungsweise auf das, was er „intersubjektives Feld“ nennt, ist an sich ja bereits ein manipulatives Konzept, um so mehr, da er uns erklärt hat, welche Fragen wir zu stellen haben und welche Antworten wir erhalten werden.

Wenn ich diesen Prozess begleite, in seiner verbalen oder auch nonverbalen Konstellation, folge ich anderen Konzepten und stelle andere Fragen; etwa: „Was ist authentische Gemeinschaft?“ Oder: „Was ist zwischen uns präsent, wenn wir uns einander vorbehaltlos öffnen?“ Darüber hinaus konstelliert sich der Prozess in nonverbalen Konfigurationen eher kinästhetisch und ästhetisch und ohne solche Fragen. Aber wie auch immer: Wir haben keine Möglichkeit, das Feld nicht zu manipulieren, denn wie wir es auch konfigurieren oder konstellieren – indem wir etwa in einer Runde sitzen und sprechen / still sind – wir ordnen das Feld immer, und zwar auf der Grundlage ganz bestimmter Konzepte. Manipulation ist unvermeidlich. Dass diese Konzepte dann durch tiefe und spürbare Kommunion etwa überwunden oder ‚transzendiert‘ werden, wirkt wiederum erst dann befreiend („sie werden nachrangig“), wenn man glaubt, in ihnen gefangen zu sein oder sie nicht manipulieren zu dürfen…

Es gefällt mir übrigens sehr, wenn Andrew Cohen meint: “Man erfährt, dass man ein Schritt weiter ist als das, was man versteht und entdeckt, und dass man spontan aus einer sehr viel intuitiveren Dimension her handelt und antwortet.“ Ich benutze viele Mittel und Wege, das Mysterium zwischen uns zu erkunden: Dynamic Presencing, Circles of the Heart, Herz-zu-Herz-Dialog; aber diese Erkundung ist auch im Alltag vorhanden, wenn ich Menschen treffe; auch wenn es nicht explizit ausgedrückt wird: Es macht Spaß, das „Zwischen-uns“ zu erforschen, ohne es zum Thema des Zusammentreffens zu machen und aus einer tieferen Dimension her zu handeln und da zu sein.

 

Manipulation?

Ich stehe Cohens Ego-Konzept, dass er auch in diesem Artikel vertritt, insgesamt kritisch gegenüber und werde gleich noch mehr dazu sagen, aber zunächst will ich mich seiner Aussage widmen, dass im hier erörterten Prozess, „unsere Aufmerksamkeit sich langsam wegbewegt davon, auf den Einzelnen fokussiert zu sein und sich mehr auf das Kollektive einstimmt, bis sie schließlich direkt ins Bewusstseinsfeld hineingezogen wird.“ Cohen unterscheidet leider nicht zwischen „Bewusstseinsfeld“ und „Einstimmung aufs Kollektive“. Der Grund dafür dürfte sein, dass er sich bereits darauf festgelegt hat, dass das Mysterium zwischen uns Bewusstsein ist, während das ‚Zwischen-uns‘ meiner Meinung nach sehr viel umfassender als unser persönliches oder irgendein überpersönliches Bewusstsein ist. Das lebendige Feld zwischen uns erscheint oder manifestiert sich natürlich im Bewusstsein, und zwar in glückseliger Gestalt, wie jeder, der dies erfahren hat, sicherlich gern bestätigt, aber das heißt nicht, dass deshalb dieses Feld Bewusstsein wäre, in das „unsere Aufmerksamkeit […] schließlich hineingezogen wird.“ Es gibt in diesem Prozess nichts endgültiges, nichts was schließlich geschieht, sofern ich das sehen kann, und selbst wenn es das gäbe, dann stehen wir noch zu sehr am Anfang dieser Forschung, um irgend etwas Endgültiges aussagen zu können. Wobei ich natürlich verstehe, das Andrew Cohen solch eine Aussage macht: sie passt gut ins Geschäft „evolutionärer Erleuchtung“.

Nun wendet Cohen sich bei der Betrachtung der Phänomene in diesem Prozess der Moral zu und meint: „Dies [ehre die höheren Ebenen und halte sie aufrecht] ist der dem evolutionären Prozess[1] an vorderster Front (leading edge) eigene, moralische Imperativ. Wenn der Einzelnen sich verpflichtet fühlt, seine höchste, im intersubjektiven Kontext verwirklichten Errungenschaften aufrecht zu erhalten, wird die individuelle Transformation zur einzigmöglichen moralischen Antwort auf die kollektive Emergenz.“

In dem Prozess, um den es hier geht, in dem das ‘Zwischen-uns’ in den Vordergrund unserer Aufmerksamkeit tritt, und zwar so sehr, dass es für alle Beteiligten fast schon tastbar und als höchst wertvoll empfunden wird, wird man es sicherlich aufrecht erhalten, sofern man weiß wie. Das allerdings ist keine moralische Frage – und sollte es auch nicht sein, da sich unendlich viele Menschen bereits jetzt schuldig fühlen, weil sie so manchen tiefen und wertvollen Erfahrungen und Erkenntnissen auf ihrem Weg durchs Leben nicht wirklich gerecht werden. Aufzudecken, weshalb so viele spirituelle Erfahrungen und Erkenntnisse zwar zu „guten Vorsätzen“ aber nur selten zu Handlungen führen, statt mit weiteren moralischen Imperativen aufzuwarten, wäre ein Aufgabe, die eines Meisters von Cohens Stand würdig wäre… aber er lässt sie sausen und meint stattdessen: „In einer idealen Welt würde jeder Einzelne [es] spontan fühlen…“[2]

Wenn Cohen uns also sagt, weshalb dieser Prozess von uns fordert, dass jeder daran Beteiligte sich wandelt und dass diese „moralische Pflicht uns nicht von außen auferlegt wird, sondern spontan in jedem Einzelnen entsteht, und zwar durch die Intersubjektivität, die vom höheren Potenzials selbst erzeugt wird“, dann sagt er nur, was sowieso offensichtlich ist. Egal auf welche Art und Weise man in den den Ozean spiritueller Freude eintaucht, ob durch das, was zwischen uns ist, oder durch die eine oder andere Meditation, Katharsis oder Metanoia – wir werden uns immer wandeln wollen, damit wir mehr in Übereinstimmung damit sind, was sich uns dort offenbart hat. Und das kommt selbstverständlich nicht von außen sondern entsteht immer im Einzelnen, schließlich das ist ja auch derjenige, der sich wandelt.

Das ist es auch nur für Gurus wie Cohen und ähnlich gestrickte Zeitgenossen eine Überraschung, da diese noch glauben, dass der Meister oder die Erleuchtung den Menschen irgendwie von „außen“ wandeln können[3].

Cohen fragt dann wahrscheinlich eher rhetorisch zum Thema dieses von ihm moralisch eingeforderten Wandels: „Kann es eine größere Herausforderung für das Ego geben? Und dennoch kommt sie nicht von einer äußeren Autorität.“ Wer sich ein Wenig mit ihm befasst hat weiß , dass Cohen sich selbst als großen und notwendigen Herausforderer des Egos[4] betrachtet, der manchmal selbst vor Gewalt nicht zurückschreckt.

Die Erforschung des Mysterium zwischen uns kreist jedoch nicht unbedingt um jene Konzepte, die Cohen so sehr liebt: „Evolutionäre Erleuchtung“, „ der wahre Lehrer“, oder „ authentisches Selbst“ – auch wenn es natürlich vollkommen legitim ist, das ‚Zwischen-uns‘ auf diese Weise zu erforschen. Was auch immer in Erscheinung tritt, kann den daran Beteiligten tiefere Einsichten verschaffen. Allerdings berücksichtigt man die Möglichkeiten dessen, was zwischen uns ist, nicht – noch zeigt man ihnen viel Respekt – wenn man so handelt, als wisse man bereits, wie die Antworten auf diese Konzepte und Fragen lauten werden, weil sie so lauten müssen; und in diesem, wie in vielen anderen Artikeln zeigt sich eindeutig, dass Cohen meint, er kenne sie, wenn nicht der Form, so dann doch der Essenz nach.

Wenn es jedoch Eines gibt, was das ‘Zwischen-uns’ nicht ist, dann ist es das Guru-Prinzip. Ja, wir alle lernen in diesem Prozess und das Lernen kann tief und transformierend sein. Wie sehr und welche tragende Rolle das lebendigen Feld dabei spielt und wie es ist, sich vom vertikalen spirituellen Konzept in Richtung einer Spiritualität der Beziehung zu entwickeln, in der das Keis-Wesen – das, was zwischen uns ist – mehr und mehr in den Vordergrund rückt als wirkende, alltägliche Realität; das ist, was das Mysterium uns allen schenken kann…

 

Mystery


 

[1] Andrew Cohen fühlt sich an vorderster Front eindeutig wohl und mag den „evolutionären Prozess“ – seine Lehre nennt sich „evolutionäre Erleuchtung“ – und das liegt vielleicht auch daran, dass er sicher ist, wohin die Reise geht. Ich hingegen meine, dass wir schlicht nicht wissen , wohin Evolution – auch die spirituelle – führt.

 

[2] In einem nächsten Blog werde ich auf die „Sprache des Wandels“ eingehen, mit der wir gut erkennen können, weshalb wir unsere Ideale nur so selten verwirklichen – wir haben es mit einem ‚psychischen Immunsystem‘ zu tun, das für Homöostase sorgt und somit ‚konservativ‘ ist und hervorragende Mittel gegen wirklichen Wandel in petto hat…

 

[3] Dass es weder ein Außen noch ein Innen gibt, weder ein Subjekt noch ein Objekt, ist eine andere Sache, die ich an anderer Stelle diskutiert habe.

 

[4] Was immer das auch bedeuten mag, jenseits davon, einen Müll kommt zu sein für alles, was man nicht mag, oder was einen davon abhält erleuchtet zu werden oder zu sein; das Ego gehört zu den Begriffen, die von spirituellen Zeitgenossen am meisten missbraucht werden – niemand mag es, jeder glaubt, man müsse es loswerden; es ist der Erzfeind des spirituellen; aber es ist das wirklich?

Wir spüren es…

03. April 2007

Ein wundervolles kurzes Video, wie man sich eine wirklich gute Zeit in der U-Bahn machen kann… und nicht nur da.

Realitätsfixiert – aber wie, wenn die Realität nicht fix ist?

27. März 2007

Wolf Schneider – ja der, der Herausgeber der Zeitschrift Connection – schrieb vor kurzem einen Beitrag auf seinem Webtagebuch fürs Wesentliche: “Realitätsfixiert

»Leute wie euch nennen wir realitätsfixiert«, sagte ein ranghoher Berater des amerikanischen Präsidenten dem Reporter Ron Suskind von der New York Times 2003, im Jahr eins nach dem 11. September: »Ihr glaubt, dass sich Lösungen durch sorgfältige Analyse der Wirklichkeit ergeben. So funktioniert die Welt nicht mehr. Wir sind ein Imperium. Wenn wir handeln, schaffen wir unsere eigene Realität«. Das zitierte die Süddeutsche vorgestern in ihrem Wissenschaftsteil (Rubrik »Wissen«).

Dann schreibt er:

Dann bin ich wohl auch realitätsfixiert. Und mehr noch: Ich bin nicht nur Verfechter einer unabhängigen »realitätsfixierten« Wissenschaft, mir gruselt bei diesem Satz auch, wenn ich an die Imperien der Esos und Spiris denke, die meinen, sich »unbedingt« ihre eigene Realität schaffen zu können.

Ich würde mich, wie Wolf, in dem von ihm angesprochenen Zusammenhang gerne auch als realitätsfixiert bezeichnen, wäre da nicht die Quanten-Realität, von der wir ja wissen, wie wichtig der Beobachter ist… und noch unangenehmer ist: Quanten und Beobachter interagieren

In wissenschaftlicher Wirklichkeit scheint alles mit allem verquantelt zu sein und sich gegenseitig zu bedingen. In unserer WMirklichkeit als indivudueller mensch können wir auch keine echte Trennung zwischen Realität und uns selbst finden (siehe “Wir sind Sternenstaub oder: Das Gewusel von Subjekt und Objekt”)

So trifft dieser Bush-Berater wohl oder übel mitten ins Ziel: Lösungen ergeben sich nicht aus sorgfältiger Analyse der Wirklichkeit; zumindest keine, die der Rede wert sind. Einstein meinte bereits, Lösungen seien eben nicht auf der Ebene (sprich: Wirklichkeitsebene) des Problems zu finden.

Es stimmt zwar, dass wir verdammt viel auf unserer Lebensreise selbst erschaffen können, sogar weitgehend (und vor allem) »uns selbst«, unsere Identität. Aber doch nicht unabhängig von der Umgebung, von der »Realität«, der Außenwelt!

Es gibt Leute, die meinen, die Gravitation gäbe es nur (oder würde nur deshalb fortbestehen), weil dies eine »kollektive Überzeugung« sei. Nein danke. Da fehlt mir die Unterscheidung zwischen dem, was wir selbst kreieren können und was nicht.

Warum fällt es uns nur so schwer, das voneinander zu unterscheiden?

Ich weiß nicht, weshalb das so schwer zu unterscheiden ist, denn die Esos und Spiris haben ja recht, wie Wolf auch meint: Wir erschaffen die Wirklichkeit, in der wir leben, zu einem nicht unmaßgeblichen Teil selbst mit. Ein Imperium, wie das amerikanische, tut das in einem noch sehr viel maßgeblicheren Maße – vielleicht ist es die narzisstische Kränkung, die es si schwer macht, zu unterscheiden zwischen unserem Einfluss und dem weit mächtigerer Kräfte?
Die Entwicklung im Irak, in Israel/Palästina zum Beispiel, ist für einen großen Teil vom amerikanischen Imperium erschaffen – und natürlich in dem Maße, wie wir daran beteiligt sind, auch von uns

Thitch Nhat Hanh hat vor nicht allzu langer zeit geweint, als er an den Irak dachte und einen Brief voller Liebe und Güte an Bush geschrieben. Und ich habe geweint, als ich den Brief gelesen habe.
So hat Thitch Nhat Hanh eine Wirklichkeit erzeugt, die mich berührt und meine Wirklichkeit gewandelt hat, in vielerlei Hinsicht.

Der Bush-Berater – und ebenso die Esos und Spiris – haben also den Punkt getroffen und liegen doch völlig daneben, denn was sie und ihre imperialen Kumpels nicht verstehen, ist, dass wir zwar unsere Wirklichkeit mit-erschaffen, dass diese Wirklichkeit uns aber wiederum genauso mit-erschafft… Ko-kreation all überall.
Die Wirklichkeit besteht aus Beziehungen und diese sind meiner Ansicht nach fundamentaler sind als Formen und Dinge (sofern man diese überhaupt gesondert denken kann).

Die Esos und Spiris, die ich auch ganz gerne hin und wieder gegeißelt habe, weil ich meinte, das würde helfen… ich glaube, ich habe mich getäuscht; es weckte bei den gegeißelten vor allem Widerstand und verfestigte ihre Positionen nur – die Esos und Spiris also, die so gerne glauben, sie hätten größeren Einfluss auf die ‘Wirklichkeit’ und in deren Leben und Geschichten man doch allzu leicht sieht, wie sub-optimal ihre Denkweise wirkt, sind im eigentlichen Sinne die ‘realitätsfixierten’… sie glauben nämlich (an eine von ihnen zu kreierende/beinflussende) fixe, also festgefügte Wirklichkeit, ganz so als sei diese ein Objekt da draußen

Das “Gesetz der Anziehung”, das momentan dank der DVD “The Secret” in angelsächsischen Ländern unter Esos, Spiris und New Agern Furore macht, beruht ganz auf der Grundlage dieses ‘wuschigen Denkens’; aber ebenso wie beim so genannten “intelligenten Design”, das von christlichen Menschen und anderen immer völlig ohne das “stupide Design” gedacht wird, wird das “Gesetz der Anziehung” immer ohne das der Abstoßung gedacht… und sowieso wird die unglaublich mysteriöse Verflochtenheit und Komplexität dessen, was wirkt, gerne vereinfacht, und zwar von Politikern ebenso wie von ernsthaften spirituellen Forschern, wie du und ich.

Dynamic Presencing

23. März 2007

… so nenne ich diese Arbeit. Bisher wurde diese Form “Energie-Arbeit” genannt, aber ich fand diesen Begriff schon immer etwas schwammig – schließlich ist auch ein Elektroingenieur Energie-Arbeiter.

Dieses Video vom “Dynamic Presencing” (engl. für ‘dynamisches in der Gegenwart sein’; ihr seht, weshalb ich den engl. Begriff verwende) wurde von meinem Freund Rolf Seiler während des Osterseminars im letzten Jahr gedreht und von mir zu dieser Sequenz zusammengeschnitten. Es gibt euch einen guten Eindruck von einem wichtigen Aspekt meiner Arbeit, den ich sehr liebe, weil er allen Beteiligten erlaubt, jene ‘Dimensionen’ zu erleben, von denen so oft in spirituellen Kreisen gesprochen wird, die aber nur selten erlebt werden, weil sie ‘normalerweise’ erst nach langer Übung auf einem spirituellen Weg erreichbar sind…

Und da mich eine Reihe Leute gefragt haben, was das bedeutet, hier eine engl. Erläuterung – sowie ich eine deutsche gemacht habe, findet er die hier auf meinem Blog…